Geschichtsverein Sydekum

Wir laden ein: Der Heimat- und Geschichtsverein Sydekum zu Münden wird am 01.12.2022 ab 16 Uhr im Hotel und Restaurant „Schlosschänke“ sein Veranstaltungsjahr mit einer gemeinsamen vorweihnachtlichen Kaffeetafel gegen Entgelt und begleitendem Gespräch „Glashütten im Bramwald“ beenden; über viele Teilnehmer würde sich der Verein sehr freuen. Die UN hat das Jahr 2022 zum „International Year of Glass“ ausgerufen. Dieser unentbehrliche Rohstoff hat eine siebentausendjährige Geschichte. Von Menschen produziertes Glas gibt es seit siebentausend Jahren. Die Technik kam von Syrien über Ägypten und Rom auch nach Deutschland. Für unsere Heimat gab das Benediktiner-Kloster Helmarshausen am Rand des Reinhardswaldes den Impuls für den wichtigen Wirtschaftszweig der Glasherstellung. Der Rat der Stadt Münden stellte 1652 fest: „ferner gebraucht sich die Stadt und Bürgerschaft deß Glas-undt Mühlsteinhandels zu Wasser…“. Dieses Zitat steht in der „Schriftenreihe Sydekum Nr. 35 Die Fürstliche Glashütte zu Altmünden 1594 - 1818 von Gerhard Almeling“. Daran anknüpfend wird im Gesprächskreis Sydekum Herr Dr. Helmuth Freist, ehemaliger langjähriger Leiter des Lehrforstamtes Bramwald, mit Lichtbildern unter anderem darüber berichten, dass im Bramwald bereits um 1190 eine Glashütte errichtet wurde, die mindestens ein halbes Jahrhundert, also ungewöhnlich lange, gearbeitet hat. Erläutert wird dabei auch die mittelalterliche Waldwirtschaft, zu der auch die „Waldgewerbe“ gehörten. Teilnehmende werden gebeten, sich bis 28.12.2022 mit E-Mail Geschichtsverein Sydekum anzumelden. Wo und wann: Donnerstag, den 01.12.2022 im Hotel und Restaurant Schloss Schänke, Hann. Münden, Vor der Burg 3-5 16 Uhr. - Kaffeetafel gegen Entgelt.
Am 06.04.2017 referierte unser Mitglied Holger Gruber (Stuttgart) in seinem Vortrag „Neues vom alten Rathaus“ über jenes Gebäude, das wiederholt einer umfassenden Sanierung unterzogen werden musste. Abseits der häufig wiederholten Betrachtung des Gebäudes im kunst- und baugeschichtlichen Kontext der Weserrenaissance, standen archivarische Quellen und regelmäßige Besuche der Baustelle im Vordergrund. Sicher entkräftet werden konnte die häufig wiederholte Einschätzung, dass die Erweiterung des Rathauses über den gotischen Kernbau hinaus, auf bislang unbebautem Grund stattgefunden hatte. Ganz besonders augenscheinlich wurde dieses anhand des durchgehenden Mauerwerks belegt, das sich an der Nordfassade im unteren Drittel ohne Baufuge in Richtung Ratsstube durchzieht. Die ab Sommer 1975 begonnene Neuverputzung des Rathauses hat die bis dato rund 90 Jahre währende Steinsichtigkeit und die heutige Nach- vollziehbarkeit am Bauwerk beseitigt. Ein weiterer wichtiger Beleg für die vorherige Bebauung des für den Rathausumbau benötigten Baugrunds findet sich deutlich im Baukostenbuch. Im Jahre 1603 wurden recht hohe Lohnkosten für den Abbruch der alten Gebäude und des Ausheben der Baugrube für die neuen Kellergewölbe zur heutigen Lotzestraße verausgabt. Abgebrochen wurde auch die dortige Trinkstube des Rates. Was war aber das Hauptmotiv für den Bau des neuen Rathauses? Ein Schlüsselbeleg ist, dass das Baukostenbuch nicht den Bau des Rat- hauses bezeichnet, sondern den eines Hochzeitshauses. Das ausgehende 16. Jahrhundert bot einer städtischen Oberschicht, einem vor allen aus dem Handel gespeisten Reichtum. Standesgemäße Eheschließungen sollten diesen Wohlstand repräsentieren, doch arteten die Feier- lichkeiten bisweilen tumultartig aus. So schleppten Kinder und weniger Begüterte Speisen und Getränke nach Hause. Diesem und anderen Sittenverfall versuchte man, vor allem nach einer Rüge des gesamten Rates durch die herzogliche Regierung, mit einem, auch den Reichtum und das wachsende Selbstbewusstsein des Rates ausdrückenden Baues eines neuen Hochzeitshauses und dem Erlass einer strengeren Hochzeitsordnung gerecht zu werden. Von Friedrich Weitmann zu Georg Grossmann Hinsichtlich des Baues vertraute sich der Rat zunächst Friedrich Weitmann an. Unter seiner Regie und unter Anwerbung von Maurern aus dem Voigtland wurde der Rathausumbau in Angriff genommen und in großen Teilen bis 1603 mit dem Richtfest abgeschlossen. Dann trat Georg Grossmann (auch Crossmann), in heutiger Sprache ausgedrückt, als Architekt, Bauleiter und Generalunternehmer für den Weiterbau auf. Ihm und seinem Sohn wird die Neugestaltung der Nordfassade mit den Schmuckgiebeln zugeschrieben. Wenn auch die genauen Hinter- gründe der Neukonzeption des Baues sich nicht erschließen lassen, so waren die Folgen unmittelbar nach der Fertigstellung und auch in jüngster Zeit noch spürbar. Auch wenn das Baukostenbuch 1609 geschlossen wurde, sind noch erhebliche Kosten in den Kämmerei-rechnun- gen der Folgejahre zu finden. Schon 1610 wurde das Tanzen im Hochzeitshaus in der oberen Halle verboten. Grund waren fehlende Stützen in beiden Rathaushallen. 1619 wurden die beiden Hallen mit dem Ein-zug zusätzlicher Stützen statisch gesichert. Vor allem wurden die Lasten des komplexen Dachstuhls bis in jüngste Zeit nicht hinreichend auf das Mauer- werk und die Stützkonstruktionen abgeleitet. Grossmann stellte dem ursprünglich geplanten durchgehenden breiten Satteldach, ein nördliches Quer- dach mit den fünf Zwerchhäusern gegenüber. 1724 stürzte der mittlere Zier- giebel, samt seiner Figur auf Marktplatz und dem Altan, den die Mündener als „die Grad“ bezeichneten. Neben den der Umgestaltung geschuldeten statischen Kinderkrankheiten, gab es eine Fülle von Umbauten und An-passungen an ge- änderte Nutzungsanforderungen, die fast jeder Generation erhebliche Auf- wendungen für den baulichen Unterhalt und die Sanierungen abforderten. IBilder: Die allegorische Figur „Glaube“ vom Mittelgiebel der Nordfassade. Das Bild der Sanierung des Jahres 1975 demonstriert Handlungsbedarf. „RPR 1724“ deutet auf den Einsturz und den Wiederaufbau des Giebels in diesem Jahr hin. Böse Zungen könnten meinen: „1724 war der Glaube vom Rathaus abgefallen.“ Fotos: Gruber, Stadtarchiv Text: Stefan Schäfer, Stadtarchivar
Die Stadt Hann. Münden und der Verein „Erinnerung & Mahnung“ laden für Freitag, den 27. Januar um 18 Uhr zu einer Gedenkveranstal- tung zum Holocaustgedenktag an der Stele am Rathaus ein. Im Anschluss, etwa 18:30 Uhr, im Rittersaal des Welfenschlosses ein Lichtbildervortrag: Vernichtungslager im Schatten von Ausschwitz - Der schwierige Umgang mit der Geschichte im heutigen Polen“.
Geschichtsverein Sydekum

Aktuelles Vorhaben

Gesprächskreis Sydekum: „Glashütten im Bramwald“ – Ein Beitrag zum internationalen Jahr des Glases“ am Do 01.12.2022, 16 Uhr
Wir laden ein: Der Heimat- und Geschichtsverein Sydekum zu Münden wird am 01.12.2022 ab 16 Uhr im Hotel und Restaurant „Schlosschänke“ sein Veranstaltungsjahr mit einer gemeinsamen vorweihnachtlichen Kaffeetafel gegen Entgelt und begleitendem Gespräch „Glashütten im Bramwald“ beenden; über viele Teilnehmer würde sich der Verein sehr freuen. Die UN hat das Jahr 2022 zum „International Year of Glass“ ausgerufen. Dieser unentbehrliche Rohstoff hat eine siebentausendjährige Geschichte. Von Menschen produziertes Glas gibt es seit siebentausend Jahren. Die Technik kam von Syrien über Ägypten und Rom auch nach Deutschland. Für unsere Heimat gab das Benediktiner-Kloster Helmarshausen am Rand des Reinhardswaldes den Impuls für den wichtigen Wirtschaftszweig der Glasherstellung. Der Rat der Stadt Münden stellte 1652 fest: „ferner gebraucht sich die Stadt und Bürgerschaft deß Glas-undt Mühlsteinhandels zu Wasser…“. Dieses Zitat steht in der „Schriftenreihe Sydekum Nr. 35 Die Fürstliche Glashütte zu Altmünden 1594 - 1818 von Gerhard Almeling“. Daran anknüpfend wird im Gesprächskreis Sydekum Herr Dr. Helmuth Freist, ehemaliger langjähriger Leiter des Lehrforstamtes Bramwald, mit Lichtbildern unter anderem darüber berichten, dass im Bramwald bereits um 1190 eine Glashütte errichtet wurde, die mindestens ein halbes Jahrhundert, also ungewöhnlich lange, gearbeitet hat. Erläutert wird dabei auch die mittelalterliche Waldwirtschaft, zu der auch die „Waldgewerbe“ gehörten. Teilnehmende werden gebeten, sich bis 28.12.2022 mit E-Mail Geschichtsverein Sydekum anzumelden. Wo und wann: Donnerstag, den 01.12.2022 im Hotel und Restaurant Schloss Schänke, Hann. Münden, Vor der Burg 3-5 16 Uhr. - Kaffeetafel gegen Entgelt.
Am 06.04.2017 referierte unser Mitglied Holger Gruber (Stuttgart) in seinem Vortrag „Neues vom alten Rathaus“ über jenes Gebäude, das wiederholt einer umfassenden Sanierung unterzogen werden musste. Abseits der häufig wiederholten Betrachtung des Gebäudes im kunst- und baugeschichtlichen Kontext der Weserrenaissance, standen archivarische Quellen und regelmäßige Besuche der Baustelle im Vordergrund. Sicher entkräftet werden konnte die häufig wiederholte Einschätzung, dass die Erweiterung des Rathauses über den gotischen Kernbau hinaus, auf bislang unbebautem Grund stattgefunden hatte. Ganz besonders augenscheinlich wurde dieses anhand des durchgehenden Mauerwerks belegt, das sich an der Nordfassade im unteren Drittel ohne Baufuge in Richtung Ratsstube durchzieht. Die ab Sommer 1975 begonnene Neuverputzung des Rathauses hat die bis dato rund 90 Jahre währende Steinsichtigkeit und die heutige Nach- vollziehbarkeit am Bauwerk beseitigt. Ein weiterer wichtiger Beleg für die vorherige Bebauung des für den Rathausumbau benötigten Baugrunds findet sich deutlich im Baukostenbuch. Im Jahre 1603 wurden recht hohe Lohnkosten für den Abbruch der alten Gebäude und des Ausheben der Baugrube für die neuen Kellergewölbe zur heutigen Lotzestraße verausgabt. Abgebrochen wurde auch die dortige Trinkstube des Rates. Was war aber das Hauptmotiv für den Bau des neuen Rathauses? Ein Schlüsselbeleg ist, dass das Baukostenbuch nicht den Bau des Rat-hauses bezeichnet, sondern den eines Hochzeitshauses. Das ausgehende 16. Jahrhundert bot einer städtischen Oberschicht, einem vor allen aus dem Handel gespeisten Reichtum. Standesgemäße Eheschließungen sollten diesen Wohlstand repräsentieren, doch arteten die Feier-lichkeiten bisweilen tumultartig aus. So schleppten Kinder und weniger Begüterte Speisen und Getränke nach Hause. Diesem und anderen Sittenverfall versuchte man, vor allem nach einer Rüge des gesamten Rates durch die herzogliche Regierung, mit einem, auch den Reichtum und das wachsende Selbstbewusstsein des Rates ausdrückenden Baues eines neuen Hochzeitshauses und dem Erlass einer strengeren Hochzeitsordnung gerecht zu werden. Von Friedrich Weitmann zu Georg Grossmann Hinsichtlich des Baues vertraute sich der Rat zunächst Friedrich Weitmann an. Unter seiner Regie und unter Anwerbung von Maurern aus dem Voigtland wurde der Rathausumbau in Angriff genommen und in großen Tei- len bis 1603 mit dem Richtfest abge- schlossen. Dann trat Georg Gross- mann (auch Crossmann), in heutiger Sprache ausgedrückt, als Architekt, Bauleiter und Generalunterneh- mer für den Weiterbau auf. Ihm und seinem Sohn wird die Neugestaltung der Nordfassade mit den Schmuckgiebeln zuge- schrieben. Wenn auch die genauen Hintergründe der Neukonzep- tion des Baues sich nicht erschließen lassen, so waren die Folgen unmittelbar nach der Fertigstellung und auch in jüngster Zeit noch spürbar. Auch wenn das Baukostenbuch 1609 geschlossen wurde, sind noch erhebliche Kosten in den Kämmerei-rechnungen der Fol- gejahre zu finden. Schon 1610 wurde das Tanzen im Hochzeitshaus in der oberen Halle verboten. Grund waren fehlende Stützen in bei- den Rathaushallen. 1619 wurden die beiden Hallen mit dem Ein-zug zusätzlicher Stützen statisch gesichert. Vor allem wurden die Lasten des komplexen Dachstuhls bis in jüngste Zeit nicht hinreichend auf das Mauerwerk und die Stützkonstruktionen abgeleitet. Grossmann stellte dem ursprünglich geplanten durchgehenden breiten Sattel- dach, ein nördliches Quer-dach mit den fünf Zwerchhäusern gegenüber. 1724 stürzte der mittlere Zier-giebel, samt seiner Figur auf Marktplatz und dem Altan, den die Mündener als „die Grad“ bezeichneten. Neben den der Umgestaltung geschuldeten stati- schen Kinderkrankheiten, gab es eine Fülle von Umbauten und An- passungen an ge-änderte Nutzungsanforderungen, die fast jeder Generation erhebliche Auf-wendungen für den baulichen Unterhalt und die Sanierungen abforderten. IBilder: Die allegorische Figur „Glaube“ vom Mittelgiebel der Nordfassade. Das Bild der Sanierung des Jahres 1975 demonstriert Handlungsbedarf. „RPR 1724“ deutet auf den Einsturz und den Wiederaufbau des Giebels in diesem Jahr hin. Böse Zungen könnten meinen: „1724 war der Glaube vom Rathaus abgefallen.“ Fotos: Gruber, Stadtarchiv Text: Stefan Schäfer, Stadtarchivar
Die Stadt Hann. Münden und der Verein „Erinnerung & Mahnung“ laden für Freitag, den 27. Januar um 18 Uhr zu einer Gedenkveranstal- tung zum Holocaustgedenktag an der Stele am Rathaus ein. Im Anschluss, etwa 18:30 Uhr, im Rittersaal des Welfenschlosses ein Lichtbildervortrag: Vernichtungslager im Schatten von Ausschwitz - Der schwie- rige Umgang mit der Geschichte im heutigen Polen“.